660 Kilometer Schotterpiste, Panne inklusive

Westaustralien – Rot, wild, weit, heiß

Die atemberaubende 'Cathedral Gorge' im Purnululu-Nationalpark in Westaustralien ist ein Wunder der Natur - das Zusammenspiel von Wind, Wasser und Zeit hat hier über Jahrmillionen hinweg eine gewaltige Kathedrale aus Sandstein geschaffen. Die bizarren, von ockerfarbenen Bändern durchzogenen Wände ragen empor wie die Säulen und Bögen eines uralten Sakralbaus.

Rostrote Pisten, unendliche Weiten, skurrile Termitenhügel, uralte Boab-Bäume und mehr. Eine 4WD-Reise über die berüchtigte Gibb River Road führt uns tief ins Outback Westaustraliens – inklusive Panne.

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Erschienen in:

Deutschlands größtes Naturreise-Magazin
8 Seiten | Text & Fotos

Längere Passagen überwinden wir im Flug. Über Distanzen von 20 bis 50 Metern wird das Stahlseil zur Zipline. Unter uns der dunkelkobaltblau leuchtende Inn, teils zugefroren, links und rechts rauschen schneebedeckte Felsen mit eisigen Schönheiten vorbei.

Nach etwa zwei Stunden blicke ich durch einen sehr engen und dunklen Abschnitt der Schlucht hindurch auf einen fantastisch bizarren, schwach blau leuchtenden Eisfelsen. Dort scheint ein oranger Punkt zu kleben. Ein Eiskletterer!

Nach einem kurzen Hoch der Aufregung, rasch abgekühlt und hungrig, finde ich mich in Pontresinas Via Maistra im Restaurant Gianottis ein. Dort umschließen meine klammen Finger ein angewärmtes Stilglas, bereit für den „Café Schümli Pflümli“ – einen Schweizer Klassiker mit Pflaumenschnaps, Schlagsahne und einer Prise Kakao. Der Hauptgang, ein kräftiges Hirschtatar, versorgt mich mit nötiger Energie für den sportlichen Nachmittag.

Dann lege ich den Klettergurt an und setze den Helm auf. „Jetzt ist Western time“, lacht Giancarlo, „geh am besten breitbeinig, sonst reißen die Zacken der Steigeisen deine Hosenbeine auf.“ Wie John Wayne zum Duell schreite ich zur Eiswand, bis ich direkt davor stehe.

Giancarlo macht es vor und kommentiert jede Bewegung: „Nimm in jede Hand eine Eisaxt. Schlage die rechte hoch über Deiner Schulter zwei-, dreimal in die gleiche Stelle kräftig ins Eis. Prüfe leicht rüttelnd den festen Sitz. Dann links einschlagen. Zieh Dich hoch, trete die Steigeisen breitbeinig ins Eis, Hüfte an den Fels. Und weiter zur nächsten Runde.“

Meine Hände umschließen die ergonomischen Axtgriffe ohne Handschuhe. So fühle ich mich sicherer und habe mehr Gefühl für die Arbeit. Verschnaufpause. Ich hänge mich ins Seil. Durch eine kleine Unachtsamkeit reißt die messerscharfe, sägeartige Axtklinge meine Haut auf. Die Blutung gerinnt schnell. Weiter geht’s.

Endlich oben! Meine Haare sind patschnass. Der Puls klopft in den Ohren. Luft holen. Und jetzt das Schönste: Abseilen! Ich stoße mich kräftig vom Fels ab, Giancarlo lässt Seil nach, und ich fliege zwei, drei Meter nach unten und wieder sanft der Felswand entgegen.Eine weitere fliegende Kniebeuge gegen den Fels, das Seil schnurrt durch meinen Karabinerhaken, und ich schwebe weiter in Richtung meiner Einstiegsstelle. Was für ein Spaß!

Am Langlaufhüsli begrüßt mich Florian Anklin, Skilehrer und mein Begleiter für die kommenden Stunden. „Hier unten haben wir immer beste Schneeverhältnisse“, schwärmt er. „Na, dann komm‘ mal mit. Bevor’s auf die Isel-Loipe geht, lass uns ein paar Übungsrunden drehen.“ Das ist eine freundliche Umschreibung für ‚Ich will erst sehen, ob du überhaupt Skilanglauf kannst.‘

Unter Florians wachsamen Augen fahre ich los. Dank seiner präzisen und freundlichen Anweisungen komme ich mit jeder Runde besser voran. Ich lerne, wie man anfährt, sich besser abstößt, Kurven fährt, die Stöcke im richtigen Winkel einsetzt und die Körperkraft effektiver nutzt. Florian nickt zuversichtlich: „Ach, für die Loipe reicht das allemal.“ Seine Zuversicht motiviert mich, denn ich kann mich nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal eine Loipe befahren habe.

Es ist wundersam ruhig. Florian fährt lautlos hinter mir. Hier im dunklen Wald zwischen Bergkiefern, Arven und Fichten finden meine Augen, abgesehen von der Loipe, kaum Spuren der Zivilisation, kaum Anker- oder Blickpunkte, keine Signalfarben. Der Körper übernimmt das Steuer, memoriert jede Bewegung, geht auf Autopilot.

Gegenlicht. Augenblinzeln. Am Welschtobelbach malt die Sonne lange Baumschatten. Wir begleiten sein zugefrorenes Bett entlang einer N-förmigen Loipenschlaufe. Kurz darauf: Was, schon am Ziel? Ok. Ich habe wohl die Zeit vergessen. Sie mich auch?

David Knittel, Gründer und Präsident des Eisbadi, der ersten öffentlichen Eisbadeanstalt der Schweiz, spricht mit ruhiger Stimme: „Langsam einatmen, langsam ausatmen. Die Kälte versucht, deinen Körper in Panik zu versetzen. Konzentrier’ dich. Bleib ruhig. Atme.“

Die erste Minute ist immer die schlimmste: Nach dem Eintauchen reagiert der Körper schockartig und schüttet massiv Stresshormone aus. Er schickt Blut aus Armen und Beinen zum Herzen und zu anderen lebensnotwendigen Organen, um diese warm zu halten. Das kostet immens viel Energie.

Danach wird es friedlicher. Die Stresshormone verpuffen, und eine seltsame Ruhe kehrt ein. Markus und ich unterhalten uns ein wenig, das lenkt ab. „Zuhause in Davos habe ich eine Kühltruhe im Garten. Die läuft 24 bis 36 Stunden lang, dann habe ich für zwei Wochen Eis – auch im Sommer!“, erzählt der Profi-Abenteurer, Grönland-Durchquerer und tägliche Eisbader mit einem gewinnenden Lachen.

„Anfangs habe ich es nur zehn Sekunden im Wasser ausgehalten. Und ich hab’ geschrien“, gesteht er lachend. David, hauptberuflich Lehrer, entdeckte erst später, während eines Urlaubs in Bern, seine Leidenschaft fürs Eisbaden.

Ein Konzeptpapier entstand. Nach einer erfolglosen Rutschpartie durch Bürokratie und Finanzierung starteten die Freunde eine Crowdfunding-Kampagne. 150 Unterstützer spendeten insgesamt 40.000 Schweizer Franken, wodurch hauptsächlich Zugangswege und Infrastruktur finanziert wurden. 2022 eröffnete das erste Eis-Freibad der Schweiz und auch Europas. Heute betreibt die Gemeinde das Eisbadi.

Für alle, die mit einem Eisbad liebäugeln, bieten die Betreiber auch „begleitetes Eisbaden“ an, wobei man von Profis angeleitet wird. Eisbaden in Arosa ist mehr als nur eine Mutprobe. Viele berichten von positiven Effekten: „Seit ich regelmäßig ins Eiswasser gehe, brauche ich keine Schmerzmittel mehr für mein Rheuma“, sagt eine Teilnehmerin.

Er schaut Markus an, dann mich. „Und länger als fünf Minuten im Wasser ist nur was fürs Ego, finde ich“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

„Es gibt kaum etwas, was einen mehr in den Moment holt als der Sprung ins Eis“, meint Markus. „Es ist eine Quelle von Fokus, Energie, innerer Stärke – eine Inspiration für das, was in uns steckt. Und das ist ja oft sehr viel mehr, als wir glauben.“

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