The Empowering Yourself podcast

Raus aus der Komfortzone: Ängste als Chance für Wachstum

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Carlo Moschetta, André Rehse 58 Min English

Willkommen zu Episode 4 des Podcasts „Empowering Yourself“!

In dieser (rein englischsprachigen) Folge nehmen wir dich mit auf eine besondere Reise zur Selbstentdeckung – gemeinsam mit Malte Clavin, Journalist, Fotograf, Abenteurer, Berater, Keynote-Speaker und Musiker.

Malte zeigt, wie echtes, stimmiges Leben entsteht: Komfortzonen verlassen, Angst nicht meiden, sondern als Motor für Wachstum nutzen.

Malte erzählt von typischen Ängsten wie Lampenfieber, seinen Tiefpunkten im Leben (ATLs = All time lows) und erklärt, wie man daraus Selbstwirksamkeit schöpft.

Außerdem spricht Malte über inneren Kompass bzw. sein „Soul-O-Meter“, einem Messinstrument für wahre Erfüllung, sowie die Kraft von Netzwerken und Mastermind-Gruppen.

Viel Spaß beim Hören – Power to you!

Key Learnings & Insights

  • Authentizität beginnt im Körper. Authentisch zu sein bedeutet für Malte Clavin nicht, einer Rolle zu entsprechen – sondern sich selbst zu spüren. Der Körper lügt nicht: Schweißausbrüche, ein enger werdender Hals, Erröten – all das sind Signale des Nervensystems, die anzeigen, wann wir uns verstellen oder eine Situation uns nicht entspricht. Wer lernt, diese Körpersignale als Kompass zu nutzen, hat ein zuverlässigeres Orientierungssystem als jede externe Erwartung oder gesellschaftliche Norm.
  • Ängste sind erlernt – und können aufgelöst werden. Von den über 450 offiziell diagnostizierten Ängsten sind nur zwei angeboren: die Schreckreaktion auf laute Geräusche und der Moro-Reflex. Alle anderen Ängste wurden erlernt – meist unbewusst in der Kindheit durch Bezugspersonen und Umfeld. Das ist die entscheidende Botschaft: Was erlernt wurde, kann auch verlernt werden. Durch intensive, körperlich erlebte Begegnungen mit der eigenen Angst überschreibt das Gehirn die alte Reaktion und ersetzt sie durch Neugier, Faszination und Staunen.
  • Die Entscheidung kommt zuerst – dann der Weg. Der wichtigste Schritt zur Veränderung ist kein Programm, keine Methode und kein Coach – es ist eine ehrliche Entscheidung: Ich will das nicht mehr. Malte beschreibt diesen Moment als „einen Standpunkt einnehmen“: Er wollte nicht länger unter seinen Ängsten leiden, wollte freier, echter und offener werden. Aus dieser Entscheidung heraus entstand alles andere – die Experimente mit Kälte, die Fotografie, das Sprechen. Ohne diesen ersten inneren Akt der Selbstverantwortung wäre nichts davon möglich gewesen.
  • Das Soul-O-Meter als innerer Kompass. Malte nennt es das „Soul-O-Meter“ – das innere Gefühl, das uns zeigt, ob eine Situation, ein Ziel oder eine Entscheidung wirklich zu uns passt. Ähnlich wie bei Musik oder Film: Man merkt sofort, ob etwas resoniert oder nicht. Wer gelernt hat, auf dieses leise innere Signal zu hören, trifft authentischere Entscheidungen – und lässt sich weniger von äußeren Erwartungen, Statussymbolen oder gesellschaftlichem Druck leiten. Geld, Autos und Karriere sind Mittel – kein Endziel.
  • Mastermind-Gruppen als Wachstumsbeschleuniger. Eine der wirkungsvollsten Erkenntnisse aus Maltes Erfahrung: Wachstum braucht Verbindlichkeit – und andere Menschen. In seiner Mastermind-Gruppe, die seit über acht Jahren besteht, tauschen sich die Mitglieder regelmäßig über Ziele, Rückschläge und Fortschritte aus. Wissenschaftlich belegt: Wer seine Ziele öffentlich ausspricht und regelmäßig darüber berichtet, erreicht sie mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit. Die Gruppe funktioniert als gegenseitiger Coach – und als Schutzschild gegen den Rückfall in alte Muster.

Kapitel

00:00Intro: Wer ist Malte Clavin?
André stellt Malte als Journalisten, Fotografen, Abenteurer, Berater, Speaker und Musiker vor – und kündigt eine außergewöhnliche Folge an.

01:26Maltes Arbeit: Abenteuer, Journalismus, Beratung
Malte beschreibt seine verschiedenen Rollen – vom Abenteuerjournalisten bis zum Management-Berater – und wie er diese im „inneren Parlament“ zusammenführt.

04:28Wo Abenteuer und Beratung sich überschneiden
In der Schnittmenge von Erfahrung und Wissensvermittlung entsteht das, was Malte als sein Kernthema beschreibt: persönliches Wachstum durch das Verlassen der Komfortzone.

07:50Was bedeutet Authentizität?
Malte definiert Authentizität als das Fehlen jeder Maske – und beschreibt, wie der Körper durch Stresssignale anzeigt, wann wir nicht mehr bei uns selbst sind.

10:33Angst als Wegweiser
Angst ist kein Feind, sondern ein Signal. Malte erklärt, warum wir gelernt haben, Angst zu unterdrücken statt zu verstehen – und was das kostet.

16:18Ängste auflösen: Der erste Schritt
Veränderung beginnt mit einer Entscheidung. Malte beschreibt, wie er begann, seine eigenen Ängste – von Spinnen bis Kälte – gezielt aufzulösen statt zu meiden.

25:22Das All Time Low: Wenn alles perfekt aussieht – und sich falsch anfühlt
Malte erzählt von einem Wendepunkt in seinem Leben: beruflich erfolgreich, familiär glücklich – und trotzdem das Gefühl, dass etwas Wesentliches fehlt.

33:38Authentisch auf der Bühne: Tipps für Speaker
Wie bleibt man sich selbst treu, wenn man vor Publikum steht? Malte erklärt, warum Verletzlichkeit – das Zeigen des eigenen Tiefpunkts – die stärkste Verbindung zum Publikum schafft.

41:22Das Soul-O-Meter: Der innere Kompass
Malte beschreibt sein persönliches Werkzeug zur Selbstorientierung: das Soul-O-Meter – das innere Gefühl, das anzeigt, ob eine Entscheidung wirklich zu einem passt.

47:35Mastermind-Gruppen als Wachstumsbeschleuniger
Seit über acht Jahren ist Malte Teil einer Mastermind-Gruppe. Er erklärt, wie gegenseitige Verbindlichkeit, ehrliches Feedback und gemeinsame Ziele persönliches Wachstum enorm beschleunigen.

54:43Abschluss: Das Kribbeln spüren – und handeln
Maltes abschließende Botschaft: Wer das nächste Mal ein Kribbeln spürt – in einer sozialen Situation, bei einer Idee, bei einem Menschen –, soll einfach handeln. Das ist der Anfang von allem.

55:58Musik als authentischer Ausdruck
Carlo verabschiedet sich mit einem Hinweis auf Maltes Musik – die Intro- und Outro-Musik der Folge stammt von Malte selbst. Ein letztes Gespräch über den kreativen Prozess als Selbstzweck.

Transkript

[00:00] André: In dieser Folge des Empowering Yourself Podcasts haben wir einen Gast, der ganz schön aus dem Rahmen fällt. Malte Clavin ist Journalist, Fotograf, Abenteurer, Berater, Keynote-Speaker und Musiker. Maltes Weg zur Authentizität dreht sich darum, Komfortzonen zu verlassen, Ängste anzunehmen – und wie beides zu tiefgreifender Selbsterkenntnis führen kann. Als ich dieses Gespräch das erste Mal hörte, war ich fasziniert. Ihr lernt zum Beispiel, was ein „All Time Low“ ist und wie man daraus herausfindet. Ich hoffe, ihr nehmt genauso viel mit wie Carlo und ich. Viel Spaß.

[00:48] Carlo: Hallo zusammen und willkommen zu einer weiteren Folge des Empowering Yourself Podcasts. Heute sind wir mit Malte. Wie geht es dir?

[00:57] Malte: Sehr gut.

[00:58] Carlo: Du bist Journalist, Speaker, Berater, Musiker und noch vieles mehr. Ich freue mich sehr, dass du dir Zeit nimmst, um mit uns über Authentizität zu sprechen. Magst du kurz erzählen, wer du bist und was du machst?

[01:26] Malte: Sehr gerne. Auf der einen Seite arbeite ich als Journalist und bin auf Abenteuer und Extremes spezialisiert. Ich liebe es, in den Dschungel zu gehen, in die Wüste, halbnackt ins Eis – unter die Eisdecke zu tauchen. Ich mag es einfach, meine Komfortzone zu verlassen, mich herauszufordern und das dann aufzuschreiben. Meine Website ist für mich wie ein offenes Tagebuch.

Daneben bin ich Teil eines Redaktionsteams von inzwischen sechs Personen. Wir haben ein eigenes Online-Magazin für Natur, Reise und Abenteuer, das in mehr als 180 Ländern gelesen wird. Wir produzieren auch Storytelling-Kampagnen für Reisedestinationen – Ecuador, bald vielleicht Madagaskar und viele andere Länder, die ich wirklich liebe.

Das ist, was ich den „abenteuerlustigen Malte“ nenne. Ich brauche eine sehr lange Leine.

Ich habe herausgefunden: Ich bin nicht nur eine Person – ich bin viele. All diese Menschen in meinem inneren Parlament brauchen eine bestimmte Art von Liebe und Aufmerksamkeit. Und sie brauchen einen Meta-Moderator, der die Energie zwischen ihnen aufteilt.

Auf der anderen Seite arbeite ich seit mehr als 25 Jahren als Management-Berater. Ich habe mehr als 40 digitale Transformationsprojekte in 12 Ländern begleitet. Und wo sich diese beiden Kreise überschneiden – da entsteht das, was ich als Speaking bezeichne. Die Dinge, die ich bei meinen Abenteuern erleben durfte, können ein interessanter Impuls sein: für Führungskräfte, für Mitarbeitende, für jeden, der ein besserer Mensch werden – und damit auch bessere Arbeit leisten möchte.

[04:28] Carlo: Also wenn ich das richtig verstehe: Du gehst selbst an deine Grenzen, erlebst das am eigenen Körper – und kannst diese Erfahrungen dann in deiner Beratungs- und Coaching-Arbeit weitergeben?

[05:22] Malte: Genau. Ich bin das Versuchskaninchen. Ich tauche selbst in eine Gletscherlagune in Island oder unter eine Eisdecke in Finnland. Und ich habe die Wim-Hof-Methode gelernt. Ich habe Wim Hof sogar persönlich getroffen – er ist unglaublich inspirierend.

Im Coaching-Kontext ist das hilfreich, weil viele meiner Herausforderungen körperlichen Stress beinhalten. Wenn man in eine eiskalte Umgebung geht, schüttet der Körper Stresshormone aus. Und es gibt nichts Wahrhaftigeres und Authentischeres als das, was der eigene Körper einem sagt.

[07:28] Carlo: Wie würdest du das unter dem Begriff Authentizität erklären? Es klingt so, als ob all deine Erfahrungen dazu beitragen, mehr in Kontakt mit dir selbst zu sein. Was bedeutet Authentizität für dich persönlich?

[07:50] Malte: Authentizität bedeutet für mich, ich selbst zu sein – ohne Maske, ohne zu versuchen, irgendeiner Erwartung zu entsprechen. Der wichtigste Indikator ist das innere Gefühl: Fühle ich mich in dieser Situation wirklich wohl? Oder spüre ich etwas Störendes – Stress, Enge, Unbehagen?

Dieses störende Gefühl ist ein sehr wertvoller Hinweis. Es lohnt sich, innezuhalten und zu fragen: Was hat das ausgelöst? Warum bin ich gerade rot geworden? Warum fühle ich mich in diesem Meeting unwohl, wenn ich sprechen soll? Das könnte mit etwas zusammenhängen, das seinen Ursprung in der Vergangenheit hat – und das es wert wäre, genauer anzuschauen, anstatt es zu vermeiden.

[10:33] Malte: Angst ist eines der interessantesten Warnsignale in unserem Leben. Aber wir haben gelernt, Angst zu bekämpfen, zu unterdrücken, zu verbergen. Wir wollen keine Schwäche zeigen. Also delegieren wir die Angst an andere, schieben die Schuld weiter, oder wir vermeiden einfach die Situation. Wer Angst vor Hunden hat, wechselt die Straßenseite. Das Kampf-Flucht-Erstarrungs-System übernimmt die Kontrolle – und wir tun nichts.

Was wir in unserer Kultur nicht gelernt haben, ist, Ängste wirklich zu begegnen – um herauszufinden, dass sie auf einer falschen Annahme beruhen. Und genau das kann man. Man kann eine Angst auflösen. Wenn man sich danach wieder dem früheren Angst-Auslöser begegnet, spürt man diese Angst nicht mehr. Das gilt auch für sehr häufige Ängste wie Lampenfieber. Die Ursache ist meistens ein alter Glaubenssatz: Ich bin nicht interessant genug. Ich habe nichts Wichtiges zu sagen. Diese Überzeugungen sind meist nicht einmal unsere eigenen – sie wurden uns auferlegt.

[16:18] Malte: Als erstes braucht es eine Entscheidung: Ich möchte etwas verändern. Ich kenne Menschen, die Angst vor Hunden, Schlangen, Spinnen haben. Biologisch macht das irgendwie Sinn – aber in unserem westlichen Alltag sind diese Tiere keine echte Bedrohung. Wir erzählen uns immer wieder dieselbe alte Geschichte, ohne je eine neue emotionale Verbindung zu einem anderen Zustand aufzubauen. Wie fühlt es sich an, diesem Hund zu begegnen, ohne Angst zu empfinden? Das wissen die meisten nicht – weil sie es nie ausprobiert haben.

Ich selbst war voller Ängste. Irgendwann sagte ich mir: Das will ich nicht mehr. Freiheit ist mir wichtig. Ich will nicht unter Angst leiden. Ich war zum Beispiel phobisch gegenüber Spinnen – nicht so sehr, dass ich weggelaufen wäre, aber es war real. Auf meiner Website sieht man ein Foto mit einer großen Vogelspinne auf meinem Gesicht. Ich wusste: Es ist menschlich möglich, keine Angst mehr zu haben – weil andere Menschen es auch können. Also wollte ich herausfinden, wie das geht. Und ich habe es herausgefunden.

Es ist wichtig zu verstehen: Es ist in Ordnung, Angst zu haben. Aber es gibt für jede Angst einen Weg heraus – in die Freiheit. Vielleicht 95 % unserer Ängste blockieren uns, ohne dass sie wirklich notwendig wären. Und wir haben noch nicht gelernt, sie aufzulösen. Ich habe mich bewusst vielen Ängsten ausgesetzt: Höhenangst, Fallschirmspringen alleine, Freitauchen, Eisbäder, Schwimmen im Eis – zuletzt das Tauchen unter einer Eisdecke. Das klingt verrückt, aber es ist möglich.

[20:00] Carlo: Und du machst das nicht nur zum Angeben?

[20:04] Malte: Ehrlich gesagt – zu 15 oder 20 Prozent vielleicht schon. Ich will transparent sein. Aber wirklich, es hat mir geholfen, authentischer zu leben. Ich möchte offen mit Menschen sprechen, über meine Ängste, meine Wünsche, meine Schwächen. Und am Ende gibt es dieses Gefühl – das Soul-O-Meter.

Das Soul-O-Meter ist das Gefühl, das sagt: Du bist in Ordnung. Du bist du selbst. Du hast dich nicht verstellt. Angst bringt auch viel Scham mit sich. Ich kenne Menschen mit Angst vor Tauben. Es gibt über 450 offiziell anerkannte Ängste – Menschen haben Angst vor Schwiegermüttern, vor Enten, die sie anstarren. Hinter all dem steckt echtes Leiden und echte Scham. Und das ist unnötig. Wir brauchen es nicht.

[21:51] Malte: Ein praktischer erster Schritt: Beobachte dich selbst – eine Woche, zwei Wochen. Immer wenn ein störendes Gefühl auftaucht, halte inne. Auch der Autofahrer vor dir auf dem Weg zur Arbeit, der zu langsam fährt und dich in Rage bringt – das ist ein interessanter Impuls. Er lässt sich möglicherweise auf ein tief verwurzeltes Muster zurückführen, das seit der Kindheit automatisch abläuft. Das Gehirn hat es verschaltet – und verschaltet es immer wieder neu. Genauso funktioniert es mit Ängsten: Viele Menschen haben gelernt, unter ihren Ängsten zu leiden, ohne etwas dagegen zu tun. Das ist ein Training – aber das falsche.

[25:13] Carlo: Gab es einen konkreten Moment in deinem Leben, in dem du gemerkt hast, dass irgendetwas nicht stimmt? Ein persönliches „All Time Low“?

[25:22] Malte: Es passierte vor etwa 15 Jahren. Ich war 100-prozentiger Management-Berater – das Traumbild, vielleicht das meiner Mutter. Schicker Anzug, vier Tage pro Woche beim Kunden, donnerstagabends zurück vom Flughafen. Und als ich eines Abends die Treppe hochging mit meinem Trolley in der Hand, dachte ich: Eigentlich müsste jetzt alles in Ordnung sein. Ich war verheiratet mit einer wunderbaren Frau – bin ich immer noch – und hatte eine süße Tochter – inzwischen hab‘ ich zwei. Schöne Wohnung. Alles ist klasse. Von Außen. Meine Mutter wäre stolz.

Aber irgendetwas fehlte. Ich begann herauszufinden, was es war. Ich wollte kreativer werden, meine Fotografie verbessern – ich hatte gemerkt, dass ich Fotografie wirklich liebe. Also setzte ich mich hin und fragte mich: Wie kann ich das angehen? Ich wollte mehr reisen. Und meine Frau sagte: Dann teste doch deinen Traum. Probier’s aus. Also fing ich an: eigene Ausstellungen, Bilddatenbanken beliefern, verschiedene Wege der Professionalisierung.

Dann stieß ich auf jemanden, der mein Mentor wurde und mich in den Markt der Reisevorträge einführte. Und immer wieder begegnete ich meinen Ängsten. Was, wenn ich nicht gut genug bin? Was, wenn die Leute urteilen? Der härteste Richter saß in meinem Kopf. Aber ich las, lernte, ging zu Vorträgen und Ausstellungen – und vor allem: Ich ging raus und machte Bilder. Denn das ist das Entscheidende.

[29:12] Malte: Bei Porträtfotografie zum Beispiel habe ich gelernt: Persönliches Verhalten ist das wichtigste Werkzeug. Ich sehe einen Menschen, ich möchte sein Porträt machen. Ich gehe hin, auch wenn ich die Sprache nicht spreche – ich besorge mir einen Übersetzer. Dann frage ich: Darf ich ein Foto von Ihnen machen? Vielleicht ist heute kein guter Zeitpunkt. Dann kaufe ich erst etwas von dem, was die Person verkauft – um Respekt zu zeigen, ihre Zeit zu würdigen. Dann stelle ich Fragen: Wer sind Sie? Was machen Sie? Was mögen Sie daran? Wenn Menschen sich wirklich verstanden fühlen, öffnen sie sich. Wir alle wollen gehört, gesehen und wertgeschätzt werden. Das ist alles, was ich gebe – bevor ich auch nur eine einzige Aufnahme mache. Und in etwa 80 bis 85 Prozent der Fälle erlauben mir die Menschen dann ihr Porträt.

[33:38] Carlo: Für unsere Zuhörer, die vielleicht davon träumen, als Speaker auf der Bühne zu stehen – oder als Führungskraft wirkungsvoller zu kommunizieren: Was würdest du ihnen raten, damit sie sich selbst treu bleiben und nicht hinter einem Manuskript oder einem Managementkurs verschwinden?

[33:45] Malte: Erstens: Geh direkt zum Meister. Finde Menschen, denen du wirklich zuhörst, von denen du lernen möchtest. Kopiere sie – du wirst es nie eins zu eins schaffen, weil du immer deinen eigenen Geschmack einbringst. Und genau das ist gut so. Wie in der Musik: Man hört den Einfluss der Beach Boys – aber der eigene Song bleibt einzigartig.

Zweitens: Sprich nur über Dinge, die du wirklich erlebt hast. Emotional starke Erfahrungen – positive wie negative. Beide Seiten der Medaille. Und dann das Entscheidende: Zeige dein „All Time Low“. Ich habe ein Foto von mir aus den 90ern in meine Keynotes eingebaut – ein Testfoto,  um die Beleuchtung zu checken. Ich hatte eine furchtbare Körperhaltung, hängende Schultern, keine Ausstrahlung. Ich wäre am liebsten im Boden versunken. Vor Hunderten von Menschen habe ich dieses Bild gezeigt. Warum? Weil Menschen nicht für deine Geschichte ins Publikum kommen. Sie kommen für ihre eigene. Sie fragen sich: Wie hätte ich in dieser Situation entschieden? Und dann zeigst du, wie du aus dem tiefen Tal herausgekommen bist. Je verletzlicher du dich zeigst, desto stärker ist die Verbindung. Authentizität bedeutet nicht, die guten Dinge zu zeigen. Sie bedeutet: Ich wurde getreten, ich bin gefallen, ich habe verloren – und ich habe nicht aufgegeben.

[41:22] Malte: Das Universum will uns so, wie wir sind – authentisch, echt, als wir selbst. Jeder von uns ist aus einem bestimmten Grund hier. Und der wichtigste Schritt ist, das herauszufinden. Das Soul-O-Meter hilft dabei: dieses leise innere Gefühl, das sagt, ob etwas wirklich deins ist oder nicht. Wie bei Musik oder einem Film – man merkt sofort, ob es resoniert. Viele Menschen hören diese Stimme nicht, weil sie zu abgelenkt sind. Ich war auf Seminaren, wo es nur ums Geldverdienen ging. Kein Problem – Geld ist ein schöner Ermöglicher. Aber Geld ist immer ein Mittel, nie ein Endziel. Wenn du nicht weißt, wie das Endziel sich anfühlen soll, ist die Geschichte unvollständig.

Ich habe Menschen getroffen, die sich einen Porsche gekauft haben – und dann sagten: Ich dachte, ich würde es lieben. Aber ich fühle es nicht. Sie haben das Gefühl nicht gekauft. Und das Gefühl ist die ultimative Bilanz. Wir müssen über Gefühle sprechen – nicht über Autos.

[45:22] Carlo: Was wäre ein konkreter erster Schritt für jemanden, der noch sehr abgelenkt ist und diese leise innere Stimme kaum hört?

[45:28] Malte: Erstens: Triff eine Entscheidung, dass du etwas verändern möchtest – und sei dabei wirklich ehrlich mit dir selbst. Zweitens: Suche dir eine andere Person in einer ähnlichen Situation. Verabredet euch für zehn Minuten pro Woche. Und beginnt mit einer einfachen Frage: Wann habe ich mich zuletzt wirklich gut gefühlt? Nicht das Scrollen durch Instagram – das erzeugt nur Low-Level-Dopamin. Sondern echte Momente: Beachvolleyball mit Freunden, ein gutes Gespräch, ein Konzert, ein Spiel. Identifiziere diese Momente – und baue sie häufiger in dein Leben ein. Das ist ein einfacher Anfang, um wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

[47:35] Malte: Ich habe eine fantastische Erfahrung mit einer Mastermind-Gruppe gemacht. Ich lernte meine Mastermind-Kollegen vor acht Jahren auf einem Seminar kennen. Wir lernten viel – aber wir wussten: Das Schwerste kommt danach. Wenn wir in unser gewohntes Umfeld zurückkehren, haben die Menschen um uns herum nicht mitgelernt. Die Gefahr, in alte Muster zurückzufallen, ist riesig. Also haben wir uns verpflichtet: regelmäßige Treffen, klare Ziele, gegenseitige Rechenschaft.

Wenn drei Menschen mit großer Lebenserfahrung gegen eine Idee von mir stimmen, nehme ich das sehr ernst. Ich habe Ideen präsentiert, von denen ich absolut überzeugt war – und meine Mastermind-Freunde sagten: Nein, Malte. Du glaubst selbst nicht, was du sagst. Das trifft. Aber es hilft. Wissenschaftlich ist belegt: Wer Ziele öffentlich ausspricht und regelmäßig darüber berichtet, erreicht sie mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit. Die Mastermind-Gruppe ist genau das – und nach einem Jahr sprachen wir nicht mehr nur über Geschäftsziele, sondern über alle Lebensbereiche. Das tun wir noch heute.

[54:09] Carlo: Malte, das war ein unglaublich bereicherndes Gespräch. Was möchtest du unseren Zuhörern zum Abschluss mitgeben?

[54:43] Malte: Achtet auf das Kribbeln. Das nächste Mal, wenn ihr in einer sozialen Situation dieses Kribbeln spürt – wenn ihr jemanden seht, mit dem ihr sprechen möchtet – dann tut es. Geht hin. Sprecht mit dieser Person. Und wenn ihr nach Hause kommt, könnt ihr sagen: Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand. Ich habe es versucht. Das ist eine kleine tägliche Übung, um ein bisschen über die eigene Persönlichkeit hinauszugehen – und ein kleines Stück außerhalb der eigenen Komfortzone zu wachsen.

[55:32] Carlo: Fantastisch. Danke dir vielmals, Malte. Und noch eine Sache für unsere Zuhörer: Die Musik, die wir für Intro und Outro dieser Folge verwendet haben – sie stammt von Malte selbst. Malte, magst du noch kurz darüber sprechen?

[55:58] Malte: Gerne. Auch bei der Musik gilt: Ich bin meinem Soul-O-Meter gefolgt. Es war eine Entdeckungsreise – ich habe mit verschiedenen Klängen experimentiert, sie zusammengefügt, und dann passierte etwas Schönes. Das Einzige, was zählte: Ich selbst musste es mögen. Das war das wichtigste Kriterium. Natürlich lief ich meiner Frau hinterher wie ein kleines Kind und bettelte: Hör dir das an! Und natürlich ist es mir nicht ganz egal, ob es ihr gefällt. Aber der Prozess selbst war die Belohnung. Die Musik ist da, ihr könnt sie hören, ihr könnt sie mögen – oder nicht. Das liegt bei euch.

[57:18] Carlo: Das ist deine eigene Kunst. Danke nochmals für deine Zeit und für diese wunderbare Musik. Für alle Zuhörer da draußen: Wir sehen uns in ein paar Wochen. Danke, Malte.

[57:32] Malte: Danke, dass ihr mich dabei hattet.

[57:42] André: Wir hoffen, es hat euch gefallen. Wenn ja, teilt es mit Freunden, hinterlasst Kommentare und abonniert den Podcast. Mindestens einmal im Monat erscheint eine neue Folge.

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